Etymologie: Vom „Roman“ zur „Romantik“
Der Begriff „Romantik“ ist vielschichtig, lässt sich aber über seine Herkunft gut erschließen. Während wissenschaftliche Texte früher auf Latein verfasst wurden, entstanden parallel dazu Werke in der jeweiligen romanischen Volkssprache (lingua Romana). Diese Literatur diente primär der Unterhaltung und wurde aufgrund ihrer Sprache schlicht „Roman“ genannt. Typischerweise handelte es sich dabei um Abenteuer- und Liebesgeschichten, in denen Paare zahlreiche Hindernisse überwinden mussten, um zueinander zu finden.
Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer. 1817, Öl auf Leinwand, 94,8 × 74,8 cm, Hamburger Kunsthalle.
Die Romantik als Gegenbewegung zur Moderne
Die Romantik verstand sich als radikale Absage an die damalige Realität. Die Romantiker kritisierten das Nützlichkeitsdenken. Die beginnende Industrialisierung und das reine Gewinnstreben wurden als seelenlos empfunden und Vernunftgläubigkeit abgelehnt. Den Naturwissenschaften wurde vorgeworfen, die Welt durch rationale Erklärungen zu „entzaubern“ und ihr jedes Geheimnis zu rauben. Zudem erschien den Romantikern der graue Alltag des bürgerlichen Lebens eintönig und begrenzt. Als Gegenentwurf feierten sie die Religion und das Mittelalter. Diese Ära galt ihnen als Idealbild einer Zeit, in der die Menschen noch durch den christlichen Glauben geeint waren.
Philipp Otto Runge, Der Morgen, 1808, Hamburger Kunsthalle
Natur und Kunst als Spiegel der Seele
In der Malerei wurde die Natur zum zentralen Motiv. Sie erfüllte dabei eine Doppelfunktion. Sie diente einerseits als „Stimme des Innern“ (Caspar David Friedrich) und spiegelte die menschliche Seele wider. Zum anderen wurde die weite Landschaft in einem politisch engen Deutschland zum Symbol für Grenzenlosigkeit.
Caspar David Friedrich: Die Kreidefelsen auf Rügen, 1818, 94,8 × 74,8 cm, Kunst Museum Winterthur – Reinhart am Stadtgarten.
Ikonographie und Betrachterrolle
Typische Motive der Romantik sind einsame Gestalten, die sehnsuchtsvoll in die Ferne blicken, sowie Vanitas-Symbole wie Ruinen oder abgestorbene Bäume. Diese versinnbildlichen die Vergänglichkeit des Lebens und den ewigen Kreislauf des Werdens. Ein besonderes Stilmittel ist die Rückenfigur. Der Betrachter sieht die Person im Bild nur von hinten und blickt gemeinsam mit ihr in die Landschaft. Dadurch wird das Kunstwerk zur Projektionsfläche für die eigenen Gefühle. Der Betrachter wird so vom passiven Zeugen zum „empfindsamen Mitwisser“, der das nach außen gekehrte Innere des Malers nachempfindet.
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Goethe in der römischen Campagna, 1787, 166 cm x 210,3 cm Städel Museum, Frankfurt am Main
Caspar David Friedrich
1774–1840
ist der bedeutendste Maler der deutschen Romantik. Sein Werk markiert eine Wende in der Kunstgeschichte und führte weg von der rein abbildenden Landschaftsmalerei, hin zur Darstellung von tiefen Gefühlen und Spiritualität.
Die Natur als Spiegel der Seele.
Für Friedrich war die Natur nicht bloß Kulisse. Er nutzte Landschaften – oft neblige Gebirge, weite Meeresküsten oder einsame Wälder –, um menschliche Gemütszustände auszudrücken. Sein berühmtes Motto lautete: „Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht.“
Die Rückenfigur.
Ein Markenzeichen seiner Kompositionen ist die Rückenfigur. Dabei steht eine Person zentral im Bild, die dem Betrachter den Rücken zuwendet und in die Ferne blickt. Diese Technik dient als Einladung: Wir schauen nicht auf eine Person, sondern blicken mit ihr in die Unendlichkeit. Dies erzeugt ein Gefühl von Sehnsucht und Melancholie.
Religiöse Symbolik und Vergänglichkeit.
Friedrichs Bilder sind oft tief religiös aufgeladen, ohne dabei klassische Kirchenszenen zu zeigen. Er nutzt Symbole der Vergänglichkeit (Vanitas), um den Kreislauf des Lebens darzustellen. Z.B. Ruinen und Friedhöfe als Symbol für den Tod und die Endlichkeit, Anker oder Kreuze symbolisieren Hoffnung und Glauben und das Licht (Morgenrot/Abendrot), das oft für die göttliche Präsenz oder den Übergang ins Jenseits steht.